Unterwegs mit dem Camper: Eine lebenslange Liebeserklärung
Wenn mich jemand fragt, wie oft ich schon in Ungarn war, muss ich kurz nachdenken. Es waren sicher weit über 20 Mal. Ungarn ist für mich nicht einfach nur ein Urlaubsland; es ist ein Stück Lebensweg. Meine Geschichte mit diesem Land begann, als ich gerade einmal 10 Jahre alt war. Bis zu meinem 25. Lebensjahr verging kaum ein Jahr ohne einen Besuch – und zwar immer „stilecht“.
Schon als Kind war ich in Ungarn als Camper unterwegs. Damals noch einfacher, mit Wohnwagen dem eigen Grossraumzelt oder dem ersten kleinen Wohnmobil, habe ich das Land von der Pike auf kennengelernt. Diese Form des Reisens hat meine Sicht auf Ungarn geprägt: Das Aufwachen unter Akazienbäumen, das Frühstück unter freiem Himmel und die unendliche Freiheit der ungarischen Puszta. Nach einer Pause zog es mich ab 40 wieder regelmäßig dorthin – natürlich immer noch mit dem Camper im Schlepptau oder als Reisemobil. Ob als Transitland auf dem Weg nach Kroatien oder Serbien oder als festes Ziel: Ungarn lässt mich nicht los.
Ungarn blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück, die das Land bis heute prägt. Vom Reich des Heiligen Stephan über die glanzvolle Zeit der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn bis hin zu den tiefgreifenden Veränderungen des 20. Jahrhunderts – überall spürt man diesen stolzen, ungarischen Geist.
Es ist ein Land der Brücken – nicht nur in Budapest über die Donau, sondern auch kulturell zwischen West- und Osteuropa. Für uns Camper ist Ungarn seit jeher ein Paradies. Schon zu Zeiten, als andere Grenzen noch schwer passierbar waren, öffnete Ungarn seine Tore und bot eine Infrastruktur, die für damalige Verhältnisse im Osten ihresgleichen suchte. Diese historische Offenheit spürt man bis heute in der herzlichen Gastfreundschaft auf den Plätzen.
Für mich gehört Budapest in eine ganz bestimmte Liga. Wenn ich an meine Lieblingsorte denke, nenne ich Budapest in einem Atemzug mit Prag, Dresden oder Neapel. Die Stadt hat eine ganz eigene Magie.
Budapest ist laut, lebendig und unglaublich vielseitig. Besonders in der Bikerszene hat die Stadt einen Namen. Ob Harley-Treffen oder allgemeine Motorradtreffen – die Atmosphäre, wenn hunderte Maschinen durch die prachtvollen Boulevards ziehen, ist unbeschreiblich. Ich liebe es, meinen Camper auf einem der stadtnahen Plätze abzustellen und dann mit der Maschine oder den öffentlichen Verkehrsmitteln einzutauchen.
Die Architektur ist gewaltig: das imposante Parlamentsgebäude, die Fischerbastei mit Blick über die Stadt und die vielen Thermalbäder, die wie Kathedralen der Entspannung wirken. Budapest ist eine Stadt, die niemals schläft und in der man sich dennoch wunderbar verlieren kann.
Der Plattensee ist das „Meer der Ungarn“, und für mich ist er der Inbegriff von Erholung. Ich habe viele Orte rund um den See besucht, kenne fast jeden Winkel am Nord- und Südufer, aber einer hat eine ganz besondere Bedeutung für mich: Balatonfüred.
Seit nunmehr 15 Jahren verbinde ich das Angenehme mit dem Nützlichen, denn hier befindet sich mein Zahnarzt, den ich treu besuche. Was für viele nach einem unangenehmen Termin klingt, ist für mich eine Reise zu Freunden geworden. Balatonfüred ist die Wiege des Tourismus am Balaton. Die prächtigen Villen aus dem 19.
Jahrhundert, die berühmte Tagore-Promenade und das mediterrane Flair machen diesen Ort einzigartig.
Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Camper direkt am Wasser zu stehen, abends den Grill anzuwerfen und den Sonnenuntergang über der Halbinsel Tihany zu beobachten. Das ist Freiheit pur.
Man kann nicht über Ungarn schreiben, ohne das Essen zu erwähnen. Die ungarische Küche ist ehrlich, deftig und voller Leidenschaft. Für mich als Camper ist sie ideal: Ein Kesselgulasch (Gulyás) über dem offenen Feuer direkt am Stellplatz zubereitet – das ist echtes Ungarn-Feeling.
Die Faszination für einfache, aber qualitativ hochwertige Zutaten ist überall spürbar. Paprika in allen Variationen, Fischsuppe (Halászlé) direkt am See oder die süßen Somloer Nockerln. Egal, ob ich im tiefsten Winter dort bin, wenn der Nebel über der Puszta liegt und man sich in einer kleinen Csárda am Kamin aufwärmt, oder im Hochsommer bei 35 Grad mit einem kühlen Fröccs (Weinschorle) vor dem Wohnmobil: Die Qualität und der Geschmack sind unübertroffen.
Nach all den Jahren und den unzähligen Kilometern auf ungarischen Straßen – oft auch auf der Durchreise in Richtung Süden nach Serbien oder Kroatien – bleibt ein klares Fazit: Ungarn ist ein Land, das man fühlen muss.
Es ist die Beständigkeit der Landschaft, die Herzlichkeit der Menschen und diese ganz besondere Mischung aus Nostalgie und Aufbruchsstimmung. Dass ich dieses Land seit meiner Kindheit als Camper bereise, hat mir Türen geöffnet, die dem normalen Hotel-Touristen oft verschlossen bleiben.
Für mich ist Ungarn ein Land, das ich liebe. Es ist ein Ort, an den ich immer wieder zurückkehre – wegen der Zähne, wegen der Treffen, aber vor allem, weil sich jeder Stopp mit dem Camper wie ein Heimkommen anfühlt.
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